Allgemeine Zeitung Mainz
Den ehrlichen Blues im Blut
Bobby Stark Holland und Norbert Lange im M8
von Oliver Kreft
Mit Bobby Stark Holland und Norbert Lange gastierte jetzt ein Songwriter-Duo im M 8-Live Club von Mayence Acoustique, deren Songs von einer mal harten und direkten und dann wieder unterschwellig doppelbödigen Poesie getragen werden.
Reine unplugged-Konzerte haben den Hang dazu, entlarvend zu sein Der Sound ist weit weniger komprimiert, und textliche Botschaften rücken in den Vordergrund. Dass die beiden Rockpoeten etwas zu sagen haben, zeigt sich in ihren Liedern, in denen sie zu größtenteils eingängigen Melodien über das Leben, die Liebe, Gott und die Welt philosophierten. Neben rockigen, fetzigen Klängen gab es Balladen und Ausflüge in den Blues.
Stark Holland entpuppte sich dabei nicht nur als versierter Gitarrenspieler, sondern zeigte auch beim Spielen der Cajon, diesem kastenförmigen Percussion-Instrument, musikalisches Einfühlungsvermögen. Den Atem raubte es dem Publikum schließlich bei einem “Lied über die gute alte Eisenbahn”, bei der der Liedermacher zur Bluesharp griff. In wahnwitzigem Tempo bearbeitete er inbrünstig mit geschlossenen Augen das Instrument und ließ die alte Dampflok im Song schier die Schallmauer durchbrechen. Lange schlug dazu den Takt auf dem Korpus seiner Gitarre.
Andere Stücke des vom Blues kommenden Deutschrockers basierten auf einer Kritik schlechter Tugenden. In “Das Gebet” besang er den Traum von einer besseren Gesellschaft, in der die Menschen ihren Egoismus hinter sich lassen. Seine unverkennbare Reibeisenstimme spiegelte dabei auch seine Persönlichkeit wieder – rau und geradlinig. In dem Song “Lügen” ging es darum, wie Unehrlichkeit Beziehungen zerstören kann.
Lange zeigt bei der Komposition seiner Songs ebenfalls ein Gespür für Themen, die alltagsnah sind und die jeder der im Publikum sitzenden Zuhörer nachvollziehen kann. So etwa beim Song “Tretminen”, der von dem handelt, “was besser nicht gesagt worden wäre” (Lange). Und dann sind es zum Beispiel Weisheiten, die der Songwriter von sich gibt, die aufhorchen lassen und zum Nachdenken anregen: “Die Liebe schmeckt am besten al dente – zuckersüß poliert macht´s nur halb so viel Spaß.”